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Die Webkunst hat auf Sardinien eine jahrtausendealte Tradition und ist ein grundlegendes Kapitel der Geschichte und kulturellen Identität der Insel.

In den von der Schafszucht geprägten Orten war Rohwolle seit jeher das Ausgangsmaterial für die Herstellung von Stoffen, die von Hand auf traditionellen Webstühlen gefertigt wurden. Die Weberinnen arbeiteten mit unterschiedlichen, verfeinerten Webtechniken, die sie von Generation zu Generation weitergaben.

Bis in die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts wurden vor allem Stoffe für den Hausgebrauch hergestellt: Kleidung, Truhendecken, Tischdecken, Satteltaschen, Tücher für die Brotherstellung, Handtücher - um nur einige Beispiele zu nennen. Sie waren in lokale oder regionale Produktions- und Tauschkreisläufe eingebunden. Einen Webstuhl und die dazugehörigen Werkzeuge gab es in jeder Familie, und die Frauen erlernten zuhause das dazugehörige Wissen und Können.

Ab Anfang des 20. Jahrhunderts wurde die sardische Textilkunst infolge der Entwicklung des Kunsthandwerks auf Sardinien in ganz Italien bekannt und verkauft. Sie entwickelte sich weiter und fand neue Ausdrucksformen, ohne das traditionelle handwerkliche Wissen aufzugeben.

Symbol dieser alten Tradition ist der Flachwebstuhl, ein ursprünglich für den Hausgebrauch bestimmtes Gerät. Man spannt darauf Woll-, Baumwoll- und Seidenfäden und webt mit verschiedenen Techniken die gewünschten Stoffe.

Wie das ausgestellte Objekt zeigt, kann der fußbetriebene Flachwebstuhl zerlegt werden. Er besteht aus den Holzarten, die die Handwerker in ihrer Gegend beschaffen konnten: Eiche, Steineiche, Kastanie oder Wacholder. Der Aufbau ist einfach: Zwei Böcke aus zwei schweren, waagerechten, parallelen Holzbalken tragen alle übrigen beweglichen Teile und stehen auf fest im Boden verankerten Stützen. An den Enden der Balken befinden sich je zwei senkrechte Bretter, auf denen zwei gezähnte waagerechte dünnere Balken ruhen. Diese Bretter sind durchbohrt; in die Löcher sind die “subbi” eingesetzt, parallel zueinander liegende Rundhölzer, auf die die Längs- bzw. Kettfäden aufgewickelt sind. Diese werden durch ein System aus Rohrstöcken angehoben, an dem die Litzen befestigt sind - miteinander verbundene Baumwollschnüre. Die Litzenrohre sind über Zugvorrichtungen mit den Pedalen verbunden: Durch das Senken und Heben der Litzen öffnen sich die Kettfäden, sodass der Schussfaden durchgezogen werden kann. Über den Böcken ist die Schlaglade, befestigt. Sie dient dazu, die Schussfäden je nach Bewegung der Weberin unterschiedlich stark anzudrücken bzw. zu verdichten, je nachdem, welche Art von Stoff entstehen und welche Technik verwendet werden soll. An der Schlaglade befindet sich ein Kamm, der die Kettfäden trennt und ihre Anzahl bestimmt.