MAẞE in cm: H. 17 x Ø 9,5 x L. 2,6
MATERIAL: Majolika, mit weißer Glasur und Bemalung
Der kleine Majolikakrug wurde aus elfenbeinfarbigem Ton geformt. Anschließend wurde der untere Teil mit weißer Glasur überzogen. Heute ist die ursprüngliche Farbe durch eine matte graue Patina verändert, die durch chemische Reaktionen mit den schwefelhaltigen Materialien im Brunnen entstanden ist, in dem der Krug gefunden wurde. Auch die auf die Glasur aufgetragenen Farbpigmente erscheinen weniger leuchtend als in der ursprünglichen Farbigkeit.
Die Form entspricht dem Modell, das für den Großteil der in Montelupo zwischen dem Ende des 16. und dem Beginn des 17. Jahrhunderts hergestellten Krüge verwendet wurde. Der ausgestellte Fuß hat die Form einer Scheibe, auf der der eiförmige Körper aufsitzt. Darüber befindet sich ein niedriger Hals mit dreilappiger Mündung, flachem Rand und bandförmigem Henkel.
Die Dekoration, wie sie für die meisten Erzeugnisse aus Morlupo typisch ist, folgt einem Schema mit einem zentralen Medaillon, dessen ovale Fläche vollständig von unterschiedlichen Darstellungen eingenommen wird. Der übrige Teil der Krugoberfläche ist von Tier- und Pflanzenmotiven bedeckt; vorherrschend ist die stilisierte “persische Palmette”.
Im Medaillon des Kruges, das zunächst schwarz und weiter außen von einem gelben, ins Orange gehenden, dunkel konturierten Band eingefasst ist, erscheint ein florales Motiv typisch westlicher Tradition. Im Zentrum des Ovals sieht man eine Blume, wahrscheinlich eine Lilie, vor gelbem Hintergrund. Die Lilie ist frontal dargestellt: In der Mitte der Dekoration sieht man ein großes hellblaues, trichterförmiges Blütenblatt mit großen Staubfäden; dahinter zeichnen sich zwei ähnlich große Kelchblätter ab. Die Laubblätter der Blume sind in einem wässrigen Grünton wiedergegeben, der Stängel in verschiedenen Gelbtönen.
Die Farbpalette der zentralen Dekoration und des Hintergrunds entspricht der des Kruges mit dem Haus-Motiv und der anderen in Allai geborgenen Keramiken aus Montelupo.
Bei der Auffindung befand sich der Krug in schlechtem Zustand. Er wurde aus sieben Scherben rekonstruiert, geklebt und die fehlenden Teile des Henkels und zwischen Öffnung und Hals wurden ergänzt.
Vergleichbare Stücke wurden in Prato, Rom, Genua und Florenz gefunden und stehen im Keramikmuseum von Faenza und in den Niederlanden. Die Art der Dekoration und die Marke R°, die bei diesem Krug nur teilweise lesbar ist, sprechen für eine Datierung zwischen dem Ende des 16. und dem Beginn des 17. Jahrhunderts n. Chr.
